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Deutsche Gesellschaft für Ernährung warnt: „frei von“-Lebensmittel sind nur bei bestimmten Lebensmittelunverträglichkeiten sinnvoll
Autor/in: Dr. oec. troph. Christina Bächle, Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und GesundheitGE.
© Sean MacEntee
Greifen Menschen ohne medizinische Notwendigkeit auf zum Beispiel gluten- oder laktosefreie Lebensmittel zurück, bezahlen sie häufig mehr und riskieren darüber hinaus Nährstoffdefizite und gesundheitliche Einschränkungen, warnt die DGE.
Seien es glutenfreie Brote, Pizzen oder Knabberwaren, laktosefreier Joghurt, Kochschinken oder Zwieback: der Absatz sogenannter „frei von“-Lebensmittel ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Beispielsweise gaben Verbraucher im Jahr 2014 rund 285 Millionen Euro für laktosefreie Lebensmittel und weitere 105 Millionen Euro für glutenfreie Lebensmittel aus, wobei die Tendenz weiter steigt. Paradoxerweise ergab eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung, dass vier von fünf Käufern laktosefreier Lebensmittel gar keine diagnostizierte Laktoseintoleranz haben. Warum entscheiden sich diese Menschen dennoch für „frei von“-Lebensmittel?
In ihrer aktuellen Presseinformation führt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) diesen Trend auf die Annahme der Verbraucher zurück, durch den Verzehr von „frei von“-Lebensmitteln „generell positive, gesundheitsfördernde Aspekte, wie eine Gewichtsabnahme oder generell gesundheitliche Vorteile“ zu erzielen. Zugleich stellt die DGE klar, dass gluten- und laktosefreie Lebensmittel nur für Patienten mit einer Zöliakie, Weizenallergie, Weizen- oder Glutensensitivität oder Laktoseintoleranz einen „nachgewiesenen gesundheitlichen Nutzen“ haben. Denn bei diesen Krankheitsbildern besteht die einzig sinnvolle Therapie im Weglassen von Lebensmitteln mit den krankheitsauslösenden Inhaltsstoffen, so die DGE. Das zunehmende Angebot an gluten- und laktosefreien Lebensmitteln sowie die Allergenkennzeichnungspflicht erleichtert dieser Patientengruppe die Lebensmittelauswahl und ist aus diesem Grund für die DGE begrüßenswert.
Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass sich viele Menschen ohne entsprechenden (fach-)ärztlichen Befund ebenfalls für „frei von“-Lebensmittel entscheiden. Doch entgegen der weitverbreiteten Annahme und diverser Werbeversprechen fördert der Verzehr glutenfreier Lebensmittel nicht unbedingt eine gesunde Ernährung. Denn das Weglassen des Glutens führt zu einer Veränderung des Energiegehalts und der Nährstoffzusammensetzung entsprechender Produkte. So haben manche glutenfreien Produkte einen vergleichsweise hohen Fettgehalt, enthalten aber weniger Ballaststoffe, Vitamine der B-Gruppe, Magnesium, Zink und Eisen als herkömmliche Vergleichsprodukte. Da das Angebot an „frei von“-Vollkornprodukten eher gering ist, geht der Verzehr dieser Lebensmittel mit einem geringeren Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmten Krebserkrankungen einher. Hinzu kommt der vielfach höhere Preis von „frei von“-Lebensmitteln.
Fazit: Für Menschen ohne entsprechende, ärztlich diagnostizierte Lebensmittelunverträglichkeit verursachen „frei von“ Lebensmittel lediglich Mehrkosten, denen allerdings kein erhöhter gesundheitlicher Nutzen gegenübersteht. Im Gegenteil: Das Weglassen einzelner Lebensmittel oder Lebensmittelgruppen sowie die veränderte Nährstoffzusammensetzung von „frei von“-Lebensmitteln erhöhen das Risiko für Nährstoffdefizite und können langfristig zu gesundheitlichen Einschränkungen führen, schreibt die DGE. Wer aus nachgewiesenen gesundheitlichen Gründen bestimmte Lebensmittel(-inhaltsstoffe) meiden muss, kann mithilfe einer qualifizierten Ernährungsfachkraft seine Ernährung entsprechend modifizieren, wobei drohende Nährstoffdefizite berücksichtigt werden.

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